Pfarrer in Elternteilzeit – Und jetzt?
Liebe Gemeinde,
im September 2025 wurde unsere Tochter geboren. Wir freuen uns sehr über dieses neue Leben und darüber, dass unsere Familie gewachsen ist. Für uns ist sie ein großes Geschenk und Anlass zur Dankbarkeit.
Mit der Freude stellt sich uns auch die Frage, wie wir Familie und Beruf verantwortlich gestalten. Ich bin überzeugt, dass die Erziehungsaufgabe möglichst von beiden Eltern getragen werden sollte. Deshalb habe ich mich entschieden, im kommenden Schuljahr meine Arbeitszeit auf 50 Prozent zu reduzieren – zugunsten unserer Kinder und der Berufstätigkeit meiner Frau.
Diesen Schritt gehe ich in dem Vertrauen, in Heidelsheim und Helmsheim sowie in der Region Bruchsal am richtigen Ort zu sein. In den vergangenen Jahren ist eine Verbundenheit zu den Orten und den Menschen gewachsen, für die ich sehr dankbar bin. Ich habe hier viel Offenheit, Vertrauen und Ermutigung erfahren. Das trägt mich und gibt mir die Sicherheit, Veränderungen zu wagen.
Die konkrete Ausgestaltung der Reduzierung bringt Veränderungen mit sich. Der Pfarrberuf ist vielschichtig und komplex, und nicht alle Augaben lassen sich einfach halbieren. In Absprache mit unserer Dekanin Ulrike Trautz und den beiden Kirchengemeinderäten wurden deshalb folgende Regelungen getroffen:
Die (geschäftsführenden) Aufgaben der Pfarrstelle liegen weiterhin bei mir. Dazu gehören insbesondere die Mitverwaltung der Kirchengemeinden und des Pfarramtes, die strategischen und strukturellen Überlegungen zur Entwicklung der Gemeinden und der Region Bruchsal, die Gremienarbeit sowie die Zuständigkeit für Personal, Finanzen, Bau und unsere beiden Kindergärten. Auch der Religionsunterricht im Umfang von 4 Schulstunden pro Woche bleibt bestehen.
Das bedeutet zugleich, dass ich im kommenden Schuljahr von September 2026 bis August 2027 bei den pastoralen Kernaufgaben vertreten werde. Dazu zählen vor allem Gottesdienste, Kasualien (Taufe, Hochzeiten, Bestattungen) und Konfirmandenarbeit. Andere Aufgaben im Gemeindeleben fallen weg oder werden von Ehrenamtlichen übernommen (bspw. Geburtstagsbesuche).
Die seelsorgerliche Begleitung bleibt davon unberührt: Für Gespräche bin ich weiterhin ansprechbar.
Gottesdienste und das geistliche Leben unserer Gemeinde werden verlässlich durch Kolleginnen und Kollegen gestaltet. Zudem werde ich in regelmäßigen Abständen –etwa alle zwei Monate bzw. an ausgewählten Feiertagen – gottesdienstlich präsent sein. Vermutlich werde ich immer mal wieder am Gemeindeleben teilnehmen und mich einbringen, bspw. als Bläser im Posaunenchor – dann allerdings im Ehrenamt.
Auch für mich wird die Veränderung ungewohnt sein. Die pastorale Arbeit wird mir sicherlich fehlen, gerade weil mir die direkte Begegnung mit Ihnen und euch und die Gestaltung von Gottesdiensten sehr wichtig ist. Gleichzeitig schenkt mir diese Regelung den Freiraum, meiner Verantwortung als Vater gerecht zu werden. Meine Arbeitszeiten werden sich auf die Werktage konzentrieren; die Wochenenden bleiben in der Regel der Familie vorbehalten. Das empfinde ich in meinem Beruf als einen großen Schatz, den ich dankbar für ein Jahr annehmen möchte. Mir ist bewusst, dass diese Regelung auch für Sie und euch Veränderungen mit sich bringt. Umso mehr danke ich für alles Mittragen, für Vertrauen und Zutrauen und für die Bereitschaft, diesen Weg gemeinsam zu gehen.
Ich freue mich darauf, nach dieser Zeit mit neuen Erfahrungen, mit frischer Kraft und mit unveränderter Freude wieder in vollem Umfang in den Dienst zurückzukehren.
Herzliche Grüße
Pfarrer Johannes Vortisch

